Springe zum Inhalt

Fahrräder für Asylbewerber

 

 

 

Asylbewerber und Flüchtlinge sind häufig auf Fahrräder als ihr einziges Fortbewegungsmittel angewiesen. Seit ca. 1,5 Jahren kümmern sich Herr Zollner und Herr Ringelband darum, dass genügend Radl zur Verfügung stehen. Die Redaktion der Website hat mit den beiden ein Interview geführt.

Red.: Wie ist denn die Fahrradbeschaffung organisiert ?
H.Z.: Der häufigste Fall ist es, dass Bürger bei der Gemeinde anrufen und melden, dass sie ein Fahrrad zur Verfügung stellen können. Die Gemeindemitarbeiter wenden sich dann an uns.
H.R.: Natürlich muss ich mir dann das Rad ansehen und prüfen, in welchem Zustand es ist und ob es, wenn es defekt ist, mit normalem Aufwand repariert werden kann. Nach dieser Prüfung entscheiden wir, ob wir das Radl nehmen. Wir haben auch Lehrgeld bezahlt, als wir noch jedes Radl genommen haben. Heute sind wir klüger und vermeiden Schrott.

Red.: An wen wendet sich ein Asylbewerber, wenn er ein Radl benötigt?
H.Z.: Normalerweise wendet der Betreffende sich an einen Asylhelfer, der wiederum gibt uns dann die Nachricht weiter. Wir versuchen dann, aus einem kleinen Fundus das passende Radl herauszufinden.

Red.: Wie viele Räder bekommen Sie, und wird der Bedarf abgedeckt?
H.Z.: In den 1,5 Jahren haben wir ca. 70 Räder bekommen, also grob ein Rad pro Woche. Wir haben das Gefühl, dass damit der Bedarf ungefähr gedeckt ist. Manchmal fragen wir auch den Bauhof, wenn wir gerade ein Radl benötigen. Von dort bekommen wir immer gute Tipps.

Red.: Wie sieht es denn mit Reparaturen aus?
H.R.: Reparaturen fallen permanent an. Die häufigsten sind platter Reifen und Probleme mit den Bremsen und der Schaltung. In solchen Fällen wenden sich die Betreffenden wieder an einen Asylhelfer, die das an uns weitergeben.

Red.: Welche Wünsche haben Sie, um die Fahrradsituation zu verbessern?
H.R.. Wir bräuchten dringend einen Raum, z.B. eine Garage, in dem wir Räder speichern können und Reparaturen durchführen können. So könnten wir Hilfe zur Selbsthilfe bereitstellen, also mit den Asylbewerbern die Reparaturen gemeinsam durchführen. Jetzt machen wir es ihnen zu leicht, indem sie das Fahrradproblem einfach auf uns abschieben, ohne eigene Verantwortung und Anstrengung, sich also nur bedienen lassen.
H.Z.: Ein zweiter dringender Wunsch wäre der nach ausreichender Anzahl von Fahrradständern am Weissbräu, damit dort eine gewisse Ordnung herrschen könnte. Im Augenblick ist der Zustand eher etwas chaotisch. Dann wäre auch eine Dokumentation möglich, die anzeigt, welches Rad wem gehört.

Red.: Wie ist die Wertschätzung Ihrer Arbeit durch die Asylbewerber?
H.R.: Wir machen es den Asylbewerbern bisweilen etwas zu leicht, überlegenswert wäre es, dass ein kleiner Obolus für ein Fahrrad bezahlt werden müsste, und ebenso ein kleiner Beitrag für eine Reparatur, damit die Wertschätzung für eine Fahrrad steigt, und es besser beaufsichtigt und behandelt wird.

Red.: Besten Dank für das aufschlussreiche Gespräch!